Jedes große Rüstungsprojekt birgt Zündstoff – besonders, wenn drei Länder und zwei Industriepartner um die Vorherrschaft ringen. Das Systeme de combat aérien du futur (SCAF) ist das ehrgeizigste europäische Luftkampfprogramm seit Jahrzehnten: Hier erfahren Sie, wo es steht, wer es baut und warum die deutsch-französischen Spannungen den Zeitplan bestimmen.

Projektname: SCAF (Systeme de combat aérien du futur / FCAS) ·
Beteiligte Länder: Frankreich, Deutschland, Spanien ·
Erstflug geplant: um 2035 ·
Geschätzte Gesamtkosten: über 100 Milliarden Euro

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Genaue Gesamtkosten und verbindlicher Zeitplan (Le Monde)
  • Ob Deutschland vollständig an Bord bleibt (nach Le Monde)
  • Exakte technische Spezifikationen des NGF (Le Monde)
3Zeitleisten-Signal
  • 2025: Abschluss der Konzeptphase erwartet
  • 2035: Erstflug des NGF-Demonstrators
  • 2040–2045: Indienststellung des SCAF
4Wie es weitergeht
  • Machbarkeitsstudien laufen bis 2025 (Airbus)
  • Entscheidung über Serienproduktion fällt nach 2035 (Airbus)

Die Rahmendaten des SCAF zeigen: ein Jahrhundertprojekt mit erheblichem Risiko.

Die wichtigsten Rahmendaten des SCAF auf einen Blick
Projektname SCAF (engl. FCAS)
Beteiligte Länder Frankreich, Deutschland, Spanien
Hauptauftragnehmer Dassault Aviation, Airbus Defence and Space
Triebwerk Safran (FR) und MTU (DE)
Erstflug (geplant) ~2035
Einsatzbereitschaft (geplant) ~2040

Was ist das Systeme de combat aérien du futur (SCAF)?

Was sind die Hauptziele des SCAF?

Die Strategie

Der französische Senat spricht von einem Paradigmenwechsel hin zum „Kampf in Systemen“ – drei Nationen, die künftig nicht nur Flugzeuge, sondern ganze Schwärme aus Drohnen, Jets und Sensoren koordinieren müssen.

Welche Komponenten umfasst der SCAF?

Wie ist der Zeitplan für den SCAF?

Das Muster: Von der Ankündigung bis zur Einsatzbereitschaft vergehen fast 25 Jahre – typisch für komplexe Rüstungsprogramme.

Fazit: Das SCAF ist kein reiner Flugzeugersatz, sondern ein digital vernetztes Ökosystem. Für Interessierte an europäischer Verteidigungstechnik bedeutet das: Wer heute nur auf einzelne Jets schaut, übersieht das eigentliche Innovationspotenzial.

Wer baut den SCAF?

Welche Unternehmen sind am SCAF beteiligt?

  • Dassault Aviation (Frankreich) – Federführung für den NGF
  • Airbus Defence and Space (Deutschland/Spanien) – Air Combat Cloud und Drohnen
  • Safran (Frankreich) und MTU Aero Engines (Deutschland) – Triebwerk (Sénat français)

Wie ist die Aufteilung zwischen Dassault und Airbus?

Die industrielle Arbeitsteilung ist einer der größten Streitpunkte. Dassault beansprucht die Führungsrolle im Flugzeugdesign, Airbus will gleichberechtigt sein. Ein Kompromiss von 2023 legt fest, dass Dassault den NGF-Kern verantwortet, Airbus die Drohnen und die Cloud (Le Monde (französische Tageszeitung)).

Welche Rolle spielt Spanien?

Spanien beteiligt sich mit rund 13 % an den Entwicklungskosten und übernimmt Arbeitspakete für die Flugzeugzelle und die Endmontage bei Airbus in Getafe. Die spanischen F-18 sollen ab 2040 durch SCAF-Komponenten ersetzt werden.

Die Krux

Dassault und Airbus teilen sich nicht nur die Arbeit, sondern auch die Macht – und das in einem Programm, das bis zu 100 Milliarden Euro kosten könnte. Wenn die Partner keine dauerhafte Einigung finden, droht eine Verzögerung von Jahren.

Warum kauft Deutschland keine Rafale?

Welche Alternativen hat Deutschland gewählt?

Deutschland hat sich für die Beschaffung der F-35A von Lockheed Martin und für die Modernisierung des Eurofighters entschieden – eine Entscheidung, die in Paris auf Unverständnis stieß. Der Rafale kam nicht zum Zug, obwohl Frankreich wiederholt Angebote unterbreitet hatte (Vie-publique (französische Regierungsplattform)).

Wie hängt das mit dem SCAF zusammen?

Der SCAF soll langfristig den Eurofighter ersetzen – nicht heute, sondern ab den 2040er-Jahren. Das bedeutet: Deutschland setzt parallel auf zwei unterschiedliche Systeme (F-35 und SCAF). Die Sorge in Paris ist, dass Deutschland sein Interesse am SCAF verlieren könnte, sobald die F-35-Flotte einsatzbereit ist.

Warum das relevant ist

Für die deutsche Verteidigungsplanung entsteht ein Spagat: Die F-35 sichert kurzfristig die nukleare Teilhabe, das SCAF verspricht langfristig technologische Souveränität. Ohne eine klare Roadmap bleibt die Zukunft des europäischen Kampfjets unsicher.

Welcher Jet wird den Rafale ersetzen?

Wie vergleicht sich der SCAF mit dem Rafale?

Der SCAF soll dem aktuellen Rafale in allen Disziplinen überlegen sein: bessere Tarnung (Stealth), höhere Sensorfusion, KI-gestützte Entscheidungsfindung und die Fähigkeit, Drohnenschwärme zu steuern. Der Senat listet als technische Achsen unter anderem stärkere Triebwerke, variable Cycle-Technologie und verbesserte Manövrierfähigkeit auf (Sénat français).

Drei Systeme im Vergleich: Generationen, Zeitpläne und Technologie
Merkmal SCAF (NGF) Rafale F-35 Lightning II
Generation 6. Generation 4.5 Generation 5. Generation
Erstflug ~2035 1986 2006
Stealth Vollintegriert (Designziel) Keine Vollstealth Vollstealth
Höchstgeschwindigkeit ~Mach 2 (geschätzt) Mach 1.8 Mach 1.6
Besatzung 1 Pilot (optional unbemannt) 1 Pilot (B-Version 2) 1 Pilot

Das Muster: Der Rafale bleibt bis 2040 das Rückgrat der französischen Luftwaffe. Der SCAF soll dann nicht nur gleichziehen, sondern durch KI und Drohnenintegration eine neue Ära einläuten.

Ist der F-35 der größte Rivale des Rafale?

Der F-35 ist heute der Verkaufsschlager unter den Kampfjets der 5. Generation. Für Länder wie Deutschland und die Schweiz, die sich für ihn entschieden haben, ist er eine ernsthafte Alternative. Allerdings ersetzt er nicht den Rafale – Frankreich setzt weiterhin auf eigene Technologie und den SCAF als Nachfolger.

Wird der F-47 besser sein als der F-22?

Der US-amerikanische F-47 (NGAD) ist ein separates Programm für die US Air Force. Er wird den F-22 ersetzen, aber nicht direkt mit dem SCAF konkurrieren, da unterschiedliche Bündnisstrukturen und Einsatzprofile zugrunde liegen.

Der Trade-off

Europa baut mit dem SCAF eine eigene technologische Basis, während die USA mit dem F-47 auf eine neue Generation setzen. Für die Partner des SCAF heißt das: Sie investieren in Unabhängigkeit, verlieren aber möglicherweise den Anschluss an US-geführte Luftherrschaft.

Wird künstliche Intelligenz Piloten bis 2050 ersetzen?

Welche Rolle spielt KI im SCAF?

Künstliche Intelligenz soll nach Angaben der französischen Rüstungsdirektion DGA die Entscheidungs- und Einsatzkette verkürzen (Ministère des Armées). Das Air Combat Cloud analysiert Sensorströme in Echtzeit und schlägt Handlungsoptionen vor – der Pilot entscheidet.

Wird der SCAF bemannt oder unbemannt sein?

Der NGF wird einen Piloten haben. Gleichzeitig können ihm Drohnen (Remote Carriers) folgen, die von KI gesteuert werden. Das Konzept heißt MUM-T (Manned-Unmanned Teaming) – der Pilot wird zum Missionskommandeur, der einen Schwarm unbemannter Systeme dirigiert.

Was diese Zukunft bedeutet

Der Beruf des Kampfpiloten verschwindet nicht, aber er verändert sich radikal. Statt am Steuer zu drehen, wird der Pilot künftig komplexe Datenfluten interpretieren und taktische Entscheidungen für mehrere Plattformen gleichzeitig treffen.

Wie sieht die Zukunft der Kampfpiloten aus?

Bis 2050 wird KI voraussichtlich Routinemanöver und Bedrohungsanalyse übernehmen. Die Rolle des Menschen bleibt aber erhalten, weil politisch-militärische Entscheidungen – etwa über den Einsatz von Waffen – nach wie vor menschliches Urteil erfordern.

Fazit: KI ist im SCAF kein Ersatz für den Piloten, sondern ein Kraftverstärker. Für angehende Piloten bedeutet das: weniger Joystick, mehr Strategie. Für die europäische Industrie: massiver Investitionsbedarf in Software, Sensorik und künstliche Intelligenz.

Zeitleiste: Die wichtigsten Daten des SCAF

  • 2018 – Offizielle Ankündigung des SCAF auf der ILA Berlin
  • 2020 – Vertrag für erste Demonstrator-Phase unterzeichnet
  • 2022 – Offene Spannungen zwischen Dassault und Airbus über Arbeitsverteilung
  • 2023 – Einigung auf einen Kompromiss; Machbarkeitsstudien laufen
  • 2025 – Erwarteter Abschluss der Konzeptphase
  • 2035 – Erstflug des NGF-Demonstrators
  • 2040–2045 – Indienststellung des SCAF erwartet

Das Signal der Zeitleiste: Von der Ankündigung bis zur Einsatzbereitschaft vergehen fast 25 Jahre. Das ist typisch für komplexe Rüstungsprogramme – und ein Hinweis darauf, wie anfällig das Projekt für politische und wirtschaftliche Störungen ist.

Bestätigte Fakten – und was noch offen ist

Bestätigte Fakten

  • SCAF ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt (Ministère des Armées)
  • NGF wird von Dassault geführt (Défense Nationale)
  • Deutschland, Frankreich und Spanien sind beteiligt

Was unklar ist

  • Genaue Kosten und Zeitplan
  • Ob Deutschland vollständig an Bord bleibt (Le Monde)
  • Exakte technische Spezifikationen des NGF

Stimmen zum SCAF

„Das SCAF ist von entscheidender Bedeutung für die europäische Souveränität. Wir müssen in der Lage sein, unsere eigene Sicherheit zu gewährleisten.“

– Französische Verteidigungsministerin, auf dem Salon du Bourget 2023

„Ja, es gibt Spannungen. Aber wir sind uns alle einig, dass dieses Programm notwendig ist. Die Zusammenarbeit ist schwierig, aber der Wille ist da.“

– Airbus-Vorstandsvorsitzender Guillaume Faury, gegenüber der Presse 2023

Die Botschaft beider Zitate: Das SCAF ist politisch gewollt, aber industriell eine Zerreißprobe. Ohne Lernfähigkeit auf beiden Seiten bleibt das Vorhaben eine Generationenaufgabe.

Fazit: Frankreich treibt das SCAF aus Souveränitätsgründen voran, Deutschland aus industriepolitischen Motiven. Spanien hofft auf Technologietransfer. Die Spannungen sind kein Randphänomen, sondern die eigentliche Herausforderung. Für die europäische Verteidigungspolitik gilt: Gelingt das SCAF, beweist Europa, dass es Großprojekte zusammenstemmen kann. Scheitert es, steht die Zukunft der gemeinsamen Rüstungskooperation infrage.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet das SCAF-Projekt?

Die geschätzten Gesamtkosten für Entwicklung und Beschaffung liegen bei über 100 Milliarden Euro. Eine exakte Zahl gibt es nicht, da das Programm noch in der Konzeptphase steckt.

Wie viele Drohnen soll der SCAF steuern können?

Offizielle Angaben gibt es noch nicht. Angestrebt wird die Fähigkeit, einen Schwarm von bis zu 10–20 Remote Carriers gleichzeitig zu führen.

Wird der SCAF exportiert?

Frankreich hat Interesse an Exporten signalisiert, aber konkrete Vereinbarungen liegen noch nicht vor. Der Senat hat darauf hingewiesen, dass Exportrestriktionen auf Grundlage von EU-Richtlinien geprüft werden müssen.

Ist der SCAF mit dem britischen Tempest kompatibel?

Das britische GCAP (Global Combat Air Programme, früher Tempest) läuft parallel und verwendet andere Technologiestandards. Eine direkte Kompatibilität ist nicht geplant, aber NATO-Standards könnten eine gewisse Interoperabilität ermöglichen.

Welche Bewaffnung wird der SCAF erhalten?

Details sind noch klassifiziert. Erwartet werden neue Luft-Luft-Raketen (z. B. das französische MICA-NG), Marschflugkörper sowie lasergestützte Waffen für die Drohnen.

Wie unterscheidet sich der SCAF von der F-35?

Der SCAF ist ein System-of-Systems der 6. Generation, während die F-35 ein einzelner Jet der 5. Generation ist. Der SCAF setzt auf offene Architektur, KI und Drohnenschwärme – die F-35 auf Integration in das US-geführte Netzwerk.

Welche Rolle spielt Spanien im Projekt?

Spanien ist Vollpartner mit einem Kostenanteil von etwa 13 % und übernimmt die Fertigung von Rumpfsektionen bei Airbus in Getafe. Zudem beteiligt sich die spanische Industrie an der Entwicklung der Drohnen.

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